Erfahrungswissen nutzen – ein Gewinn für alle

Innovage kombiniert Alter mit  Innovation. Schweizweit stellen neun Netzwerke der Gesellschaft Erfahrung und Fachwissen ihrer Mitglieder unentgeltlich für gemeinnützige Projekte zur Verfügung. 

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  • Innovage schafft eine Brücke zwischen Gemeinnützigkeit und Erfahrung. Dadurch profitieren Nonprofit-Organisationen von einem Erfahrungsschatz, den sie sich sonst nie leisten könnten.

    Professor Georg von Schnurbein, Leiter CEPS (Center for Philanthropy Studies)

  • Die Jahrestagung Innovage stand unter einem guten Stern

    Die Jahrestagung Innovage fand dieses Jahr unter perfekten äusserlichen Bedingungen in kollegialer Stimmung in Basel statt. Die Sonne strahlte und wärmte beim Teamevent, und der Austausch der Mitglieder aus den neun Netzwerken im Museum kleines Klingental war spannend und erkenntnisreich. 

  • Die Digitalisierung schreitet schnell voran

    Die technischen Anforderungen wachsen vor allem für die ältere Generationen. Experten und Expertinnen diskutierten am Podium «Marktplatz55+» in Basel, wie die Technik die Pensionierten beeinflussen kann. Ist die Entwicklung ein Fluch oder ein Segen? 

    Sabri Dogan

    Man kennt es aus leidiger Erfahrung: Transaktion abgebrochen. Login fehlgeschlagen. Versuchen Sie es erneut. Es konnte keine Verbindung aufgebaut werden. Nein. Jetzt nicht das Handy in eine Ecke knallen. Klar, die Digitalisierung kostet immer mal gehörig Nerven. Die Anforderungen wachsen. Gerade der älteren Generation fehlt manchmal die Leichtigkeit beim Navigieren durch den digitalen Kosmos. Vieles ist heute aber ohne Smartphone, Social Media und Co. gar nicht mehr machbar. Barbara Krieg, Leiterin digitale Medien der Pro Senectute beider Basel, sagt es drastisch: «Den Pen-sionierten, die die Digitalisierung nicht mitmachen, droht der Ausschluss aus der Ge-sellschaft». Dabei drehe das Rad der technologischen Entwicklung immer schneller. Poststellen oder Bankfilialen schliessen in wenig frequentierten Orten. Meist wird Kostendruck als Grund genannt. Bei den SBB werden in den nächsten Jahren die Automaten dezimiert.

    SBB-Schalter gehören in kleinen Bahnhöfen bereits heute nicht mehr zum Angebot. Ohne ein Smartphone ist ein Rentner zunehmend handicapiert. Krieg mahnt: «Die Entwicklung zur Digitalisierung darf die ältere Generation auf keinen Fall verpassen.» Fünf Kategorien von Rentnern und Rentnerinnen gebe es. Vom Nerd, der stets up to date sein will, bis zum vollständigen Technik-Verweigerer. Freiwilligkeit sei zwar das A und O bei den Pro Senectute-Kursen. Hingegen: Nicht weni-ge ältere Semester kriegen einfach mal ein Handy in die Hände gedrückt, oft genug von ihren Enkeln. Sodann fühlen sie sich etwas gedrängt und besuchen einen Digitalisierungskurs womöglich mit einem gewissen Widerstreben im Magen. Am meisten Widerstand kommt von den über 80-Jährigen. Krieg erklärt sich das so: «Diese Gruppe sieht nicht ein, warum sie in ihrem Alter noch etwas erlernen müsste, wenn es doch vorher ohne ging.» Die jüngeren Älteren ziehen hingegen fidel mit bei der Digitalisierung. Mike Oberholzer, Leiter der Ausgleichskasse Basel-Stadt, stellte etwa fest, dass 50% der Neu-Pensionierten über den Onlineschalter im Internet Informationen einholen oder einen Kontoauszug bestellen. Trotzdem wird der menschliche Draht nicht aussterben. Bei Dienstleistungen findet Oberholzer: »Wir setzen immer noch auf das persönliche Gespräch und bieten auch Termine an». 

    Selbstbestimmung als Qualitätskriterium im Alter

    Gaudenz Tschuor, leitender Arzt und Chefarzt Akutgeriatrie im Felix Platter-Spital, stellt die Selbstbestimmung im Alter ins Zentrum: «Jeder unserer Patienten möchte nach einem Spitalaufenthalt nach Hause. Dabei ist die Technik eine Hilfe, um die Leute mit gutem Gewissen zu entlassen.». Heute wollen die Verwandten wissen, wie es dem Vater oder der Mutter gehe. Dabei sei es mit einem Anruf nicht immer getan. Mit der Möglichkeit eines Videoanrufes könne man zum Beispiel das Gesicht sehen und sich ein genaueres Bild über den Zustand der Eltern oder eines Elternteils machen. Das verschaffe Sicherheit und ermögliche genau dadurch mehr Selbstbestimmtheit. Und das ist ja nur ein Beispiel dafür, wie die Digitalisierung den Alltag der alten Generation positiv beeinflusst. Für Krieg ist die Technologie denn auch klar ein Segen. Es gebe so viele Möglichkeiten der Unterstützung, zumal in Situationen, in denen ein Al-leinwohnen sonst nicht mehr in Frage käme. Weitere Beispiele aus der Praxis: Zwei Knöpfe lassen mittels Video-Türspion eine Person Zugang oder eben nicht. Sensoren merken beim Aufrichten im Bett eines Betagten, dass es unterstützend Licht braucht. Die Lampen schalten sich an und geben zum Beispiel beim Gang zur Toilette Licht. «Diese Möglichkeiten kosten nicht mehr als eine günstige Pflegehilfe aus Osteuropa», sagt Krieg. Für Tschuor ist deshalb klar: «Niemand will die Selbständigkeit verlieren und eine fremde Betreuung ins Haus lassen, die die Privatsphäre einschränkt». In unserer individualisierten Welt ist die Freiheit eben ein entscheidender Faktor für ein schönes Leben. Genau dabei kann die Digitalisierung helfen - zumindest, wenn man sie als Freund annimmt und nicht als Feind wegstösst. 

  • Innovation als Motor unserer Gesellschaft

    Die Nonprofit-Organisation Innovage leistet seit über 10 Jahren unermüdlichen Einsatz für die Gesellschaft. Das Rezept für gutes Gelingen ist einfach erklärt. Es braucht eine gute Idee, viel Wissen und Berufserfahrung sowie engagierte Mitglieder.

    Sabri Dogan

    Denise Moser nimmt die Tasse in die Hand und lässt den duftenden Espresso langsam in den Gaumen fliessen. Diese Tradition pflegt sie trotz vollem Terminkalender seit jeher möglichst jeden Nachmittag. Tradition und Innovation gehen Hand in Hand bei Moser. Moser ist seit vier Jahren Präsidentin von Innovage Schweiz. Der 75-jährige Turbo ist seit seiner Pensionierung bei SRF über GGG Benevol in der Welt der Freiwilligenarbeit aktiv. Seit 2013 engagiert sie sich für Innovage und zieht alle Register, um Innovage zu mehr Bekanntheit zu verhelfen und auf der «Erfolgsschiene» zu halten. Ihr Engagement zahlt sich nicht nur für die Gesellschaft aus: „Meine physischen und geistigen Aktivitäten halten mich fit und erlauben mir gut zu altern“ sagt Moser.

    Letztes Jahr würdigte die Stiftung generationplus das Engagement von Innovage mit dem Eulen Award. Moser freut sich ganz speziell: «Der Preis ist eine Anerkennung für das jahrelange Engagement unserer Mitglieder in allen Netzwerken.»

    Die Organisation Innovage

    Lanciert wurde die Idee Innovage 2006 von Heinz Altorfer, dem damaligen Leiter Soziales beim Migros Genossenschaftsbund (Migros Kultur Prozent). Die Namensgebung Innovage kombiniert Innovation und Alter. Aufgebaut hat Altorfer Innovage zusammen mit Colette Peter, der ehemaligen Leiterin des Instituts für soziokulturelle Entwicklung an der Hochschule Luzern. 

    Heute organisieren sich rund 160 pensionierte Fach- und Führungskräfte unter dem Dach von Innovage.ch in neun Netzwerken in der ganzen Schweiz. Sie stellen ihr Wissen und ihre Erfahrung unentgeltlich für den Aufbau und die Begleitung von nicht Gewinn orientierten Projekten zur Verfügung. Heinz Altorfer erinnert sich gerne an die Anfänge zurück und an den Sinn von Innovage: «Die Power von älteren Menschen mit ihrem Fachwissen und ihrer Lebenserfahrung bringt der Gesellschaft einen Mehrwert.»

    Die Unterstützung der jungen Generation ist Innovage wichtig. Ein Beispiel dafür ist das Projekt «The Movement Spot» von jungen Breaking Tänzern. Vier Mitglieder aus dem Netzwerk Innovage Nordwestschweiz berieten Coskun Erdogan, Jason Angelokas und Lucas del Rio Estévez in administrativen, rechtlichen und finanziellen Fragen. Sie ermöglichten ihnen damit den Aufbau ihres Projekts. Der Initiant Erdogan erklärt: «Uns Jungen fehlte der andere Blickwinkel. Die ehemaligen Fachkräfte von Innovage haben uns vieles aus einer anderen Perspektive gezeigt. » Oft brauche es mehr als nur Engagement, findet Vorstandsmitglied Erdogan und ergänzt: «Wir Jungen haben Ideen, und oft scheitert es nicht nur am Geld, sondern leider auch am Know-how, ein Projekt durchzuziehen. »

    Projektberatungen sind die Stärke von Innovage. Ihre Mitglieder bringen unter anderem Wissen und Erfahrung aus der Wirtschaft, dem Sozialbereich, dem Gesundheits- und dem Finanzwesen, der Forschung oder der Verwaltung mit. Sie unterstützen jedes Jahr schweizweit 125 Projekte. Einen Sinn nach der Pensionierung zu finden, ist für viele Innovage-Mitglieder nach der Erwerbstätigkeit wichtig. Dr. Walo Tödtli aus dem Innovage Netzwerk Zentralschweiz: «Nach der Pensionierung hatte ich nichts anderes, das mir Sinn gab. Innovage kam gerade richtig». 

    Wie wichtig die Arbeit ist, die die pensionierten Fachkräfte von Innovage leisten, zeigt sich auch an der Aussage von Ständerätin Pascale Bruderer: «Innovage verbindet wortwörtlich das Alter mit Innovation. Das trägt ganz wesentlich zum Brückenschlag zwischen den Generationen bei, in dem unermessliches gesellschaftliches Potenzial steckt.».

    Moser schaut auf die Uhr. Ein Anlass ist angesagt. Sie nimmt einen letzten Schluck Kaffee. Was sei der Antrieb bei ihrer Freiwilligenarbeit? «Das Feu sacré». Sie grüsst freundlich und enteilt dann aufs Tram.

  • Der Schlüssel zum Ruhestand

    In den Ruhestand zu denken, ist gut. Die Erfahrung mit denen zu teilen, die sie schon leben, ist noch besser! Innovation Suisse Romande - ISR hatte daher die Idee, innovative Workshops zu entwickeln, um angehende Rentner in ihrer nachberuflichen Zukunft zu begleiten.

    Michèle Bohin

    Bereits 2016 beschloss ein Dutzend Mitglieder des Netzwerks in der Westschweiz, die über ausgewiesene Erfahrungen mit dem Übergang zum Ruhestand verfügten, einen Workshop zur Vorbereitung des Ruhestandes auszuarbeiten, für Menschen, die das Bedürfnis danach hatten. 

    «Wir sind junge Rentner, die den Übergang zum Ruhestand auf konstruktive, manchmal schwierige Weise erlebt haben, je nach persönlichem Hintergrund», sagt Marcel Aguet, der Projektleiter.

    «Wir bieten eine andere, ergänzende Vorbereitung an, die sich von den vielen auf dem Markt angebotenen Standardfortbildungen unterscheidet. Wir befassen uns nicht mit Finanz-, Erbschafts-, Gesundheits-, Ernährungs- und anderen Fragen». 

    Der Dialog ist die treibende Kraft hinter den Weiterbildungen des ISR. Die interaktiven Workshops basieren auf dem Austausch zwischen den Leitern, die selbst im Ruhestand sind, und den zukünftigen Rentnern. Sie bieten den Teilnehmenden die Möglichkeit, anstehende Veränderungen zu erkennen und Wege zu finden, sich darauf vorzubereiten. 

    Nachdem das Konzept der Workshops perfektioniert worden ist, wendet sich ISR nun der innerbetrieblichen Schulung in Französisch und Deutsch zu. Dieser Ansatz ist der Nachfrage angemessener. 

    Gegenwärtig steht die ISR-Gruppe «Ruhestand» in Kontakt mit einem grossen Unternehmen in der Westschweiz, um die Workshops in einer Form anzubieten, die den spezifischen Bedürfnissen des Unternehmens angepasst ist. Darüber hinaus besteht eine Zusammenarbeit mit einem Berufsverband, der sich um die Fortbildung in rund fünfzig KMU und weiteren bedeutenden Freiburger Unternehmen kümmert.  

    ISR verfolgt die Marktentwicklung und passt sich den gesellschaftlichen Realitäten an. Jedem Interessierten wird ein Vorschlag unter Berücksichtigung seiner Interessen unterbreitet.

  • Alter hat Potenzial - Innovage sucht engagierte Freiwillige

    Unsere Berater und Beraterinnen engagieren sich freiwillig für gemeinnützige Projekte. Sie geben ihr Fachwissen weiter und nutzen ihre Erfahrung, um initiativen Projekten zum Durchbruch zu verhelfen

    Berater und Beraterinnen im Netzwerk Innovage sind pensioniert oder stehen kurz vor dem Austritt aus dem Erwerbsleben. Sie bringen Kompetenzen aus verschiedenen Fachbereichen mit und sind motiviert, ihre Zeit und ihr Erfahrungswissen für eine freiwillige Tätigkeit einzusetzen. Mit ihrem Engagement für gemeinnützige Organisationen leisten sie einen wertvollen und innovativen Beitrag für unsere Gesellschaft.

    Interessiert? Mehr Informationen geben Ihnen gerne unsere Netzwerke

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    Wir stellen Erfahrung und Wissen zur Verfügung, indem wir gemeinnützige Projekte begleiten oder selber entwickeln.