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Wissen ≠ realisieren / Wissen heisst nicht (immer) realisieren.

Von Maria Pappa

Unsere Lebenszeit ist endlich. Das wissen wir alle. Aber wann realisieren wir dies tatsächlich? Viele werden sich dieser Endlichkeit in ihrem eigenen Leben zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Art und Weise sowie Intensität bewusst. Manchmal, wenn jemand plötzlich stirbt, oder wenn man selbst eine ernsthafte Krankheit diagnostiziert erhält. Oder auch an einfachen, unbeschwerten Tagen, wie z.B. an einem Geburtstag. Als ich 40 wurde, wurde mir so richtig bewusst, dass ich gemäss Lebenserwartung die Hälfte meines Lebens wohl schon gelebt hatte. Dazu kam die Einsicht, dass ich, auch wenn alles gut geht, nur noch wenige Jahrzehnte mit guter Gesundheit leben würde.  

In der Regel wächst das Bewusstsein, dass die eigene Zeit begrenzt ist, mit zunehmendem Alter. Das Alter gibt der Zeit einen anderen Wert. Je weniger Zeit einem bleibt, desto kostbarer wird sie. Einige sind dann ständig auf Achse, um nichts zu verpassen oder um alles, was sie vermeintlich verpasst haben, nachholen zu können. Wie oft hört man doch, man soll die verbleibende Zeit optimal nutzen. Doch, was ist optimal? Wofür will ich meine begrenzte Zeit denn überhaupt einsetzen? Was ist mir wichtig, und was macht Sinn für mich?  

Es sind nicht nur die Seniorinnen und Senioren, die sich mit der Frage der Sinnhaftigkeit des Lebens – der Frage: Wofür lebe ich eigentlich? – beschäftigen. Die Frage kann sich in allen Lebenslagen stellen. Ich habe mir diese Frage oft gestellt und realisiert: Es gibt so viele Antworten auf die Frage, wie es Lebensentwürfe gibt. Während die einen die Erfüllung im Privaten oder mit sich selbst suchen, engagieren sich die anderen für die Öffentlichkeit bzw. für die Gesellschaft. In der Regel sind Letztere nicht nur an einem Ort aktiv, sondern wirken in mehreren Vereinen, Gruppen oder Interessengemeinschaften gleichzeitig mit. Erfahrungsgemäss sind es wenige, die sich vielerorts und viel engagieren. 

Ehrenamtliche Betätigung kann somit dem Leben einen gewissen Sinn geben. Spricht man mit Menschen, die sich ehrenamtlich betätigen, zeigt sich, dass bei den meisten vor allem die Lust am Engagement im Vordergrund steht. Der persönliche Einsatz für eine Sache oder andere Menschen wird in der Regel nicht als Arbeit verstanden. Vielmehr werden die wertvollen Erfahrungen und bleibenden Kontakte herausgehoben. Dem lustvollen Einsatz und der persönlichen Erfüllung der Freiwilligenarbeit steht deren Nutzen für die Gemeinschaft gegenüber. Das Alter der sich Engagierenden spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Jedes Alter hat seine Qualitäten. Es sind vielmehr gerade die unterschiedlichen Lebenserfahrungen, die im Austausch und in der Weitergabe eine grosse produktive Kraft entfalten können.  

Freiwilligenarbeit schenkt nicht nur anderen Freude. Sie ist auch eine Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren und unbekannte Horizonte kennenzulernen. Ich war in vielen Vereinen und Gruppierungen aktiv und fand es jeweils spannend, wie viele unterschiedliche Menschen ich dabei kennenlernen und wie viele Erfahrungen ich machen durfte – Erfahrungen, die mir persönlich eine Weiterentwicklung ermöglichten und mein Leben geprägt haben. Mich zu engagieren hat mich bisher glücklich gemacht und mich schliesslich zu meiner heutigen Rolle als Stadtpräsidentin gebracht. Mein Engagement gibt mir meinen Sinn. 

Wie sieht es bei Ihnen aus? Wie möchten Sie ihr Leben optimal nutzen? Was ist ihre Leidenschaft? Probieren Sie doch einfach Dinge aus und kommen Sie so auch ihrem persönlichen Glück näher. Unsere Lebenszeit ist endlich. 

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