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Monotasking oder die Frage, wurde uns unsere Aufmerksamkeit gestohlen?

Von Sandra Elsig

Wurde uns unsere Aufmerksamkeit gestohlen? Dieser Satz ziert die Buchrückseite von «Abgelenkt» (Johann Hari). Eine wichtige und wertvolle Frage. Meiner Meinung, ganz klar: JA! Er bezieht sich im Buch auf Studien, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne stark abgenommen hat. Tja, sind wir ehrlich, Multitasking ist doch total in. Wir fühlen uns wertvoll, wenn wir mehrere Dinge gleichzeitig tun. Es gibt uns Sicherheit. Stärkt uns im Denken, alles im Griff zu haben, gibt uns das Gefühl wichtiger und leistungsstärker zu sein als andere.  
 
Die Technologie von ständiger Erreichbarkeit und steter Sichtbarkeit fördert unser Multitasking. Alles will gleichzeitig und mehrgleisig erledigt, erlebt und geteilt werden.  
Stets mittendrin, das Handy. Befüllt mit vielen bunten App’s, sozialen Medien, vieles davon mit «Endlos-Scroll-Taste», welche uns stets das Gefühl vermittelt zu bleiben, um nichts zu verpassen. Tun wir dies nicht, werden wir abgestraft mit irgendwelchen Algorithmen, wir verlieren Herzen und Däumchen und noch Schlimmer Follower. Die Angst, nicht mehr wahrgenommen zu werden, nicht mehr gesehen zu werden, unterzugehen in der digitalen Welt, unterstützt das ständige Bleiben und die Sucht nach Anerkennung.  
 
Als Künstlerin & Unternehmerin kenne ich dieses Phänomen nur zu gut. Es gab Zeiten bei mir, ein Werk wurde beendet, die Farbe noch am Trocknen, wollte schon ein Bild gemacht werden, um es auf die sozialen Medien hochzuladen. Sonst konnte ich mir nicht vorstellen, wie das Bild seine Menschen findet. Irgendwann wurde mir jedoch schlagartig bewusst: «mit einem Wisch, ist alles weg». Tagelange teils wochenlange Arbeit, die intensive Auseinandersetzung mit einem Werk, den Farben und Figuren, Farben mischen, Tiefe reinbringen bis zur Vollendung eines Werks. Hochladen, klick, Herz und wisch, alles ist weg. Das hat mich sehr betroffen gemacht. Wo bleibt die Muse, Zeit für den Moment, für die Kunst, welche doch so viel mehr ist, als nur ein Klick in einer Endlosschlaufe? Sich auf die Kunst einzulassen, braucht Zeit, Raum und meiner Meinung nach ein Live-Erlebnis. Bilder wollen in echt gesehen und erlebt werden. 
 
Der Moment. Ein zentrales Element meiner Arbeit. Sei es in der Malerei sowie in meinen Beratungen und Settings im Atelier. Innehalten und sich ausleben im Moment. Eine Auszeit in der Gegenwart. Ganz bei sich. Zu diesem Zeitpunkt ist mir Monotasking begegnet. Meine persönliche Rettung. Ein Anker in der schier rasenden Welt von Stress und Hektik. Monotasking ist meine Art von Meditation. Monotasking setzt sich zusammen aus der griechischen Vorsilbe mono, was so viel bedeutet wie einzig oder allein und dem englischen task für Aufgabe. Es wird also nur eine einzige Aufgabe sprich Tätigkeit gleichzeitig erledigt, diese jedoch mit voller Konzentration und Aufmerksamkeit. Tönt ganz einfach. Die Umsetzung, eine Herausforderung. Es ist wie Muskeltraining. Seit ca. einem halben Jahr übe ich mich nun darin. Meine Mailbox «checke» ich zweimal am Tag, ganz bewusst. Zum Briefkasten gehen wir ja auch nicht stündlich. Wenn ich im Garten bin, bin ich «nur» im Garten. Einfach eines nach dem Anderen und bei vielem ist das Handy nicht mehr dabei. Es ist ruhiger und bewusster geworden bei mir. 
 
Zusätzlich habe ich fast alle App’s rund um die sozialen Medien, die Mailbox und sonstige Ablenkungen vom Smartphone entfernt. Dadurch hat es stark an Attraktivität eingebüsst. Und, ich habe Zeit geschenkt bekommen, für Dinge, welche mir wirklich wichtig sind. Mein Fazit: ich bin viel gelassener geworden, erledige eher mehr als früher mit weniger Hektik, bin wieder mehr bei der Sache, konzentrierter und effizienter und vor allem erlebe ich die Momente intensiver und bin generell aufmerksamer und achtsamer geworden. Gelingt mir das immer? NEIN. Doch immer öfters, weil ich mag, was mit mir passiert, wenn ich so unterwegs bin.  

Letzthin meinte jemand mir gegenüber, tja so zu leben, will man sich leisten können. Ist das so? Deshalb will ich mit dieser Frage meinen Artikel schliessen.  
 
Ist Monotasking tatsächlich ein Luxus oder ist es ein bewusster Entscheid?  

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