Innovage als Motor unserer Gesellschaft

Die Nonprofit-Organisation Innovage leistet seit über 10 Jahren unermüdlichen Einsatz für die Gesellschaft. Das Rezept für gutes Gelingen ist einfach erklärt. Es braucht eine gute Idee, viel Wissen und Berufserfahrung sowie engagierte Mitglieder.


Denise Moser nimmt die Tasse in die Hand und lässt den duftenden Espresso langsam in den Gaumen fliessen. Diese Tradition pflegt sie trotz vollem Terminkalender seit jeher möglichst jeden Nachmittag. Tradition und Innovation gehen Hand in Hand bei Moser. Moser ist seit vier Jahren Präsidentin von Innovage Schweiz. Der 75-jährige Turbo ist seit seiner Pensionierung bei SRF über GGG Benevol in der Welt der Freiwilligenarbeit aktiv. Seit 2013 engagiert sie sich für Innovage und zieht alle Register, um Innovage zu mehr Bekanntheit zu verhelfen und auf der «Erfolgsschiene» zu halten. Ihr Engagement zahlt sich nicht nur für die Gesellschaft aus: „Meine physischen und geistigen Aktivitäten halten mich fit und erlauben mir gut zu altern“ sagt Moser.

Letztes Jahr würdigte die Stiftung generationplus das Engagement von Innovage mit dem Eulen Award. Moser freut sich ganz speziell: «Der Preis ist eine Anerkennung für das jahrelange Engagement unserer Mitglieder in allen Netzwerken.»

Die Organisation Innovage

Lanciert wurde die Idee Innovage 2006 von Heinz Altorfer, dem damaligen Leiter Soziales beim Migros Genossenschaftsbund (Migros Kultur Prozent). Die Namensgebung Innovage kombiniert Innovation und Alter. Aufgebaut hat Altorfer Innovage zusammen mit Colette Peter, der ehemaligen Leiterin des Instituts für soziokulturelle Entwicklung an der Hochschule Luzern. 

Heute organisieren sich rund 150 pensionierte Fach- und Führungskräfte unter dem Dach von Innovage.ch in neun Netzwerken in der ganzen Schweiz. Sie stellen ihr Wissen und ihre Erfahrung unentgeltlich für den Aufbau und die Begleitung von nicht Gewinn orientierten Projekten zur Verfügung. Heinz Altorfer erinnert sich gerne an die Anfänge zurück und an den Sinn von Innovage: «Die Power von älteren Menschen mit ihrem Fachwissen und ihrer Lebenserfahrung bringt der Gesellschaft einen Mehrwert.»

Die Unterstützung der jungen Generation ist Innovage wichtig. Ein Beispiel dafür ist das Projekt «The Movement Spot» von jungen Breaking Tänzern. Vier Mitglieder aus dem Netzwerk Innovage Nordwestschweiz berieten Coskun Erdogan, Jason Angelokas und Lucas del Rio Estévez in administrativen, rechtlichen und finanziellen Fragen. Sie ermöglichten ihnen damit den Aufbau ihres Projekts. Der Initiant Erdogan erklärt: «Uns Jungen fehlte der andere Blickwinkel. Die ehemaligen Fachkräfte von Innovage haben uns vieles aus einer anderen Perspektive gezeigt. » Oft brauche es mehr als nur Engagement, findet Vorstandsmitglied Erdogan und ergänzt: «Wir Jungen haben Ideen, und oft scheitert es nicht nur am Geld, sondern leider auch am Know-how, ein Projekt durchzuziehen.»

Projektberatungen sind die Stärke von Innovage. Ihre Mitglieder bringen unter anderem Wissen und Erfahrung aus der Wirtschaft, dem Sozialbereich, dem Gesundheits- und dem Finanzwesen, der Forschung oder der Verwaltung mit. Sie unterstützen jedes Jahr schweizweit 125 Projekte. Einen Sinn nach der Pensionierung zu finden, ist für viele Innovage-Mitglieder nach der Erwerbstätigkeit wichtig. Dr. Walo Tödtli aus dem Innovage Netzwerk Zentralschweiz: «Nach der Pensionierung hatte ich nichts anderes, das mir Sinn gab. Innovage kam gerade richtig». 

Wie wichtig die Arbeit ist, die die pensionierten Fachkräfte von Innovage leisten, zeigt sich auch an der Aussage von Ständerätin Pascale Bruderer: «Innovage verbindet wortwörtlich das Alter mit Innovation. Das trägt ganz wesentlich zum Brückenschlag zwischen den Generationen bei, in dem unermessliches gesellschaftliches Potenzial steckt.».

Moser schaut auf die Uhr. Ein Anlass ist angesagt. Sie nimmt einen letzten Schluck Kaffee. Was sei der Antrieb bei ihrer Freiwilligenarbeit? «Das Feu sacré». Sie grüsst freundlich und enteilt dann aufs Tram.

Sabri Dogan