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Freiwilligenarbeit als zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft

Von Erich Fehr

Die UNO hat 2026 zum „Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung» (IVY 2026) erklärt. Ich nehme dies zum Anlass, für ein paar ganz grundsätzliche Gedanken zur Freiwilligenarbeit.  

Für mich gehört das freiwillige Engagement im weitesten Sinne zu den Kernelementen der Schweiz und ich halte sie für ebenso wichtig wie die direkte Demokratie oder die Mehrsprachigkeit. Zum Teil wird heute die Haltung vertreten, dass Freiwilligenarbeit eine «nette» Form der Ausbeutung sei und tendenziell zu Lasten der Frauen gehe, da diese viele solche Leistungen erbringen würden. Eine gewisse Tendenz in diese Richtung ist nicht von der Hand zu weisen, aber eine derartige Qualifikation ist in meinen Augen viel zu einseitig und wird dem vielschichtigen Wesen der Freiwilligenarbeit in keiner Art und Weise gerecht.  

Es gibt nun einmal Bedürfnisse in unserer Gesellschaft, welche nicht sinnvoll mit klassischer Erwerbsarbeit abgedeckt werden können. Ich denke dabei unter anderem an Leute, welche in ein Altersheim gehen und den Bewohnerinnen und Bewohnern dort Gesellschaft leisten. Für diese alten Menschen, welche oftmals eher einsam sind, ist das eine grosse Bereicherung, aber auch für die Leute, welche diese Seniorinnen und Senioren besuchen, gibt der Austausch mit ihnen viel zurück, was man sich nicht für Geld kaufen kann.  

Ein anderer Bereich, welcher erst durch die Freiwilligenarbeit seine volle Geltung erreichen kann, ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den verschiedensten Gebieten. Dazu gehören für mich die Klassiker wie Sport und Kultur, aber auch eine Pfadi und andere gemeinsame Aktivitäten sind sehr wertvoll. Einerseits ist es eine Tatsache, dass alle diese Leitungs- und Betreuungsfunktionen im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen schlicht nicht gegen marktübliche Entschädigungen erbracht werden können, denn dann wären die Mitgliederbeiträge oder Kursgebühren für die meisten Eltern unbezahlbar und auch der Staat kann und soll nicht immer alles mit (noch) mehr Geld richten. Zudem bin ich auch überzeugt, dass sich Leiterinnen und Leiter in der Kinder- und Jugendarbeit ganz anders einbringen, wenn es sich dabei um eine Herzensangelegenheit handelt und nicht um eine klassische Erwerbstätigkeit. Der Gegenwart dafür ist aber auch riesig: Jede Jugendleiterin und jeder Jugendleiter freut sich, wenn die Schützlinge ihre Talente entwickeln können und zu verantwortungsbewussten jungen Menschen heranwachsen. Das ist eine Befriedigung, welche nie mit Geld aufgewogen werden kann.  

Die UNO schafft nun mit dem „Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung» eine Verbindung zwischen der Freiwilligenarbeit und der Nachhaltigkeit, welche sie mit folgender Zielsetzung verbindet: «Das Engagement von Freiwilligen weltweit sichtbar zu machen und ihre entscheidende Rolle für die nachhaltige Entwicklung zu würdigen und zu fördern.» Ich finde es ganz grundsätzlich sehr erfreulich, dass die UNO die Freiwilligenarbeit anerkennt und in Wert setzt. Den Bezug zur Nachhaltigkeit verstehe ich so, dass hier eben nicht das Gewinnstreben im Mittelpunkt des Interesses steht, weshalb das Risiko einer ungehemmten Ausbeutung der natürlichen Ressourcen per Definition geringer ist. Ich definiere den Begriff der Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang aber auch so, dass der Aufbau von Beziehungen, das Weitergeben von Wissen oder der zwischenmenschliche Kontakt eben dann nachhaltig und entsprechend wertvoller sind, wenn sich keine materiellen Interessen damit verbinden. In diesem Sinne danke ich allen ganz herzlich, welche Freiwilligenarbeit leisten und damit einen Mehrwert für unsere Gesellschaft erbringen und dies in aller Regel erst noch nachhaltig! 

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