Ein Speeddate mit Ursula Baum
Ursula Baum ist Geschäftsleiterin von GGG Benevol in Basel, der lokalen Fachstelle für freiwilliges Engagement innerhalb der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel (GGG Basel)

In dieser Funktion setzt sie sich dafür ein, Freiwillige mit sinnvollen Einsatzmöglichkeiten zu verbinden und Organisationen beim Aufbau und der Weiterentwicklung von Freiwilligenprogrammen zu unterstützen. GGG Benevol wurde 1992 gegründet und bietet Beratung, Vermittlung sowie Freiwilligenprojekte im Kanton Basel-Stadt an, die Integration, soziale Teilhabe und generationenübergreifende Solidarität stärken.
GGG Benevol war unter ihrer Leitung zudem massgeblich an der Koordination von freiwilligem Engagement zur Unterstützung besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen während der COVID-19-Pandemie beteiligt. Seit 10 Jahren vermittelt GGG Benevol geflüchtete Menschen an Gastfamilien.
Ihre Arbeit ist geprägt vom Anliegen, Brücken zwischen Menschen und Organisationen zu bauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Dabei bringt sie ihre langjährige Erfahrung im Bereich der Freiwilligenarbeit ein.
Anlässlich des Internationalen Jahres der Freiwilligen der Vereinten Nationen (IVY 2026) haben wir die Gelegenheit genutzt, mit Ursula Baum zu sprechen und mehr über die geplanten Aktivitäten für unsere Region im Jahr 2026 zu erfahren.
Was hat ihnen zu Benevol geführt? Was sind ihre persönlichen Beweggründe? Die Entscheidung mich bei GGG Benevol zu bewerben, hatte für mich den Aspekt «back to the roots», einerseits die Entscheidung wieder in einer NPO, andererseits wieder mit Freiwilligen zu Arbeiten. Nach Jahren in der Wirtschaft - in der betrieblichen Beratung und Schulung von Mitarbeitenden, Führungskräften und HR-Verantwortlichen, schien mir die Freiwilligenarbeit eine stimmige Weiterentwicklung meiner beruflichen Tätigkeit. Freiwilligenmanagement und Freiwilligenkoordination ist in meinen Augen die «Königsdisziplin» der Personalprozesse.
Wie Innovage ist auch Benevol landesweit tätig und in regionalen Netzwerken organisiert. Wie profitiert ihr von dieser nationalen Reichweite? Gibt es irgendwelche Herausforderungen? Unterscheidet sich Basel in irgendeiner Weise von anderen Regionen? Wir profitieren von der nationalen Reichweite in erster Linie dadurch, dass es eine gemeinsame Haltung, Standards etc. zu Freiwilligenarbeit gibt. Die Merkblätter und Standards von benevol Schweiz bieten nicht nur den regionalen Fachstellen, sondern auch allen anderen Organisationen, die mit Freiwilligen arbeiten, Orientierung und Information. Der Unterschied von GGG Benevol in Basel-Stadt zu anderen Benevol Fachstellen, liegt hauptsächlich an den verschiedenen Bedürfnissen und Anforderungen der jeweiligen Region. Wir haben in einem Stadtkanton kurze Wege und klare Zuständigkeiten, d.h. wir können sowohl den Organisationen als auch den interessierten Freiwilligen persönliche Beratung anbieten. In einem Flächenkanton ist ein solches Angebot nicht realisierbar. Auch sind die Bedürfnisse einer urbanen Bevölkerung andere als in einem ländlichen Umfeld. Die Stärke der verschiedenen Benevol Fachstellen liegt darin, dass sehr individuell auf die jeweiligen Gegebenheiten eingegangen werden kann und es doch eine gemeinsame Haltung gibt.
Der Freiwilligen-Monitor 2025 liefert eine Momentaufnahme der Freiwilligenarbeit in der Schweiz. Wie sieht es in Basel im Vergleich zum nationalen Bild aus? Der Freiwilligenmonitor beschreibt, wie hoch das Freiwillige Engagement in der Schweiz ist, dies spiegelt auch die Situation in Basel wider. Die meisten Aussagen können wir so übernehmen. Vor allem hinsichtlich der Motivation der Freiwilligen sind die Ergebnisse des Freiwilligenmonitors deckungsgleich mit unseren Erfahrungen. Wir stellen auch fest, dass die Motivation sich freiwillig zu engagieren gleichbleibend ist, allerdings sind die Einsätze anders ausgerichtet als früher. Viele Freiwillige sind zeitlich sehr eingespannt und so muss ein freiwilliges Engagement in die aktuelle Lebenssituation passen und planbar sein. Die Hauptmotive sich freiwillig zu engagieren sind auch in Basel, dass die Tätigkeit Spass macht, eine Verbundenheit mit der Einsatzorganisation besteht und dass, so Kontakt mit anderen Menschen entsteht.
GGG Benevol hat sich seit seiner Gründung 1992 stetig weiterentwickelt und betreibt eine Reihe wichtiger Eigenprojekte wie zämmehAlt, Tram-Dem und Gastfamilien für Geflüchtete. Was steht als Nächstes für GGG Benevol an? Aktuell ist ein Schwerpunktthema Freiwilligenarbeit von Menschen mit wenig Deutschkenntnissen. Es gibt eine grosse Gruppe Menschen, die sich gerne engagieren möchten, deren Deutschkenntnisse aber nicht sehr gut sind. Es ist schwierig diese Personen, trotz hoher Motivation und vieler Kompetenzen, zu vermitteln. Es gibt aber auch Organisationen und Vereine, die händeringend Freiwillige suchen. Wir haben gemeinsam mit interessierten Einsatzorganisationen eine Sensibilisierungskampagne gestartet und mit ihnen gemeinsam Entscheidungshilfen und andere Hilfsmittel erarbeitet. Seit Sommer bietet die Job-Börse von GGG Benevol auch Inserate in einfacher Sprache an.
Das Jahr 2026 wurde zum Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung erklärt. Hat GGG Benevol irgendwelche besonderen Pläne für das Jahr? Dank einer Kooperation mit der CMS dürfen wir 2026 zwei Projekte realisieren. Zum einen entsteht mit dem Christoph Merian Verlag und den benevol Fachstellen BL und AG eine Publikation mit Portraits von freiwillig aktiven Personen aus der NWCH. Zum anderen wird es im Juni eine «Freiwilligenmesse +» geben. Im Zeitraum vom 16.6. – 19.6. werden verschiedene Formate für Organisationen und Vereine sowie für interessierte Freiwillige in der Markthalle Basel angeboten. Das Kernstück ist die Freiwilligenmesse am 16.6. von 11.30 – 20.00 Uhr mit Begleitprogramm. Daneben wird es einen Schwerpunkt auf Young Volunteers mit einer eigenen Messe am 17.6., sowie einen Workshop zum Thema geben. Am 18.6. soll eine breite Öffentlichkeit mit einem Referat zur gesellschaftlichen Bedeutung von Freiwilligenarbeit angesprochen werden.
Zum Schluss: Wenn eine gute Fee ihnen 3 Wünsche erfüllen könnte, welche wären das?
1. Dass die Menschen weiterhin bereit sind, sich für ihr Gemeinwesen einzusetzen und sich für wichtige Belange freiwillig zu engagieren.
2. Dass Freiwilligenarbeit auch auf der politischen Bühne echte Anerkennung erhält.
3. Dass GGG Benevol auch in Zukunft in einem Umfeld arbeiten kann, in dem die Arbeit für und mit Freiwilligen Unterstützung und Anerkennung erfährt.