Wir brauchen junge Menschen, die führen
Von Jürg Bucher
Die Zukunft sei nicht nur unsicher, sie sei zunehmend ungewiss, deshalb brauchen wir Menschen, die führen, sagt der deutsche Führungsexperte Reinhard K. Sprenger. Diese Aussage habe ich erst vor wenigen Monaten gelesen, doch sie trifft mein jahrzehntelanges Wirken in der Führung von Menschen trefflich. Menschen führen, sie unterstützen, begleiten, hat mich mein Leben lang begeistert.
Ich bin hingestanden, vorangegangen, habe Verantwortung übernommen, habe mich in Führungsgremien eingebracht, bin angeeckt, habe gelitten, war oft glücklich über erzielte Ergebnisse, manchmal auch enttäuscht über Misserfolge. Denn führen führt immer in eine ungewisse Zukunft, ist stets mit Risiken verbunden.
Heute bin ich nicht mehr so gefordert wie früher an der Spitze grösserer Institutionen, musste und durfte Verantwortung abgeben. Ich bin mehr Beobachter des Führungsalltags, Ratgeber und Coach für nachrückende Leader. Ich darf meine gesammelten Einsichten und Erkenntnisse aus der Führung weitergeben, die Menschen teilhaben lassen an erlebten Erfolgen und Misserfolgen, aufzeigen, was sich in der Führung wirklich abspielen kann. Allgemein gültige Erfolgsrezepte gibt es jedoch nicht.
Ich habe heute vertiefte Einblicke an einer Hochschule, wo ich ganzheitliche Unternehmensführung unterrichte, in Startups mit jungen Mitarbeitenden. Und ich stelle erfreut fest wie neugierig, lernbereit, leistungswillig und leistungsfähig zahlreiche junge Menschen sind. Sie wollen Verantwortung übernehmen, sie wollen künftig führen. Keine Spur von der oft geschmähten, faulen jungen Generation. Was unterscheidet sie von uns von damals? Sie stellen die Fragen nach dem Sinn der Aufgabe, nach dem konkreten Beitrag von uns Älteren, Status und Rang zählen wenig. Und diese Haltung wirkt durchwegs positiv, auch wenn es einen immer wieder herausfordert.
Ich darf der jungen Generation einzelne Puzzleteile zu einer erfolgreichen Führung von Menschen mitgeben. Das persönliche Puzzle für ihre Art der Führung von Menschen müssen sie für sich selbst zusammensetzen. Und ich verstehe meine Tätigkeit auch als Beitrag zum Verständnis zwischen den Generationen. Wohl wissend, dass sich die Generationen unterscheiden, Konflikte durchaus möglich sind und immer wieder auftreten. Voraussetzung für dieses Verständnis ist, dass wir einander zuhören, unsere Argumente austauschen, sie kritisch hinterfragen, voneinander lernen wollen und so in einen fruchtbaren Dialog treten.
Die jungen Menschen nehmen die hingeworfenen Puzzleteile auf und ich erfahre sehr viel über deren Erwartungen, Ziele, Hoffnungen und Ängste. Wir profitieren gegenseitig voneinander als Menschen, die gerne führen, nachgerade in eine unsichere, ungewisse Zukunft.
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