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Es braucht Generationen-Mut

Von Christian Schefer

Unsere liberale Lebensweise steht unter Druck. Klimawandel, ein belastetes Sozialsystem, Polarisierung und Machtkonzentration drehen sich fast täglich in unseren Köpfen.

Gibt es dafür eine einfache Lösung? Ganz klar: nein. Wird irgendetwas besser, wenn wir abwarten und den Status quo schützen? Leider auch nicht. Es braucht Mut. Und es braucht Kollaboration.

Nach dem Studium scheint die Welt zuerst ziemlich klar. Gute Ausbildung, erster Job, Karriere, Sicherheit. Das ist ein Privileg. Es öffnet Türen und macht es leicht, dieses Privileg für sich selbst zu nutzen.

Die grossen Fragen unserer Zeit verlangen aber mehr. Sie verlangen Verantwortung und ein ungeschöntes Hinschauen. Nicht nur von einzelnen engagierten Menschen, sondern von einer Gesellschaft, die sich fragt: Was können wir mit dem tun, was wir haben?

Oft hört man: «Aber was kann ich als Einzelperson schon bewirken?» Mehr, als wir denken. Man kann eine Idee aussprechen, die andere weitertragen. Man kann Türöffner*in sein, Mutmacher*in oder Inspiration.

Viele junge Menschen bringen Energie, neue Perspektiven und den Mut mit, Dinge anders zu denken. Was ihnen oft fehlt, sind Erfahrung, Netzwerk, Vertrauen, Kapital und Zeit. Ältere Generationen haben davon häufig mehr. Nicht alle, natürlich. Aber gesellschaftlich gesehen liegen viele Hebel bei Menschen, die bereits Einfluss, Vermögen, Erfahrung oder Entscheidungsmacht aufgebaut haben.

Diese Hebel können Bewährtes schützen. Sie können aber auch Neues ermöglichen.

Als wir mit Karma Lama (www.freiwillig.karmalama.ch) gestartet haben, waren wir Mitte 20. Wir hatten etwas Arbeitserfahrung, wenig Kapital und grosse Träume für eine sozial vernetztere und hilfsbereitere Gesellschaft. Ohne Unterstützung aus anderen Generationen wäre das ein Traum geblieben.

Das Erfahrungswissen von Innovage hat unser Konzept hinterfragt und geschärft. Förderstiftungen und Gönner haben uns handlungsfähig gemacht. Menschen mit mehr Erfahrung haben Türen geöffnet, uns weiterempfohlen, ihr Netzwerk geteilt und Vertrauen geschenkt, bevor wir unsere Wirkung beweisen konnten.

Wir haben diese Chancen genutzt. Wir haben nach Hilfe gefragt, geplant, umgesetzt und sind drangeblieben. Aber die Energie, die daraus entstanden ist, kam nicht nur von uns. Sie kam aus der Gesellschaft, aus praktisch allen Generationen und wirkt nun gebündelt für die Gesellschaft.

Ich glaube, genau darin liegt der grösste Hebel für die Zukunft: Mut entsteht oft bei jenen, die noch nicht zu viel zu verlieren haben. Wirkung entsteht aber erst, wenn andere diesen Mut ernst nehmen und mittragen.

Wer heute über Erfahrung, Netzwerk, finanzielle Mittel oder gesellschaftlichen Einfluss verfügt, entscheidet mit, welche Ideen eine Chance bekommen und welcher Mut gefördert oder im Keim erstickt wird. Viele dieser Ideen wirken erst in einer Zukunft, die vor allem jüngere Generationen erleben werden. Die entscheidenden Hebel liegen aber oft woanders. Sie sollten nicht nur Bewährtes schützen, sondern auch mutige Schritte und Visionen ermöglichen, die die Welt besser machen können.

Mut sollte stärker gefördert werden. Nicht, weil jede neue Idee automatisch gut ist. Sondern weil eine Gesellschaft, die Mut klein macht, irgendwann nur noch verwaltet.

Es braucht (junge) Menschen, die sich trauen und andere Perspektiven suchen. Und es braucht (ältere) Menschen, die sie ernst nehmen, begleiten und fördern. Am Ende entstehen allseitige Lerneffekte, wie wir das mit Innovage erleben durften. 

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